Kurze Geschichte des emblematischsten Werkzeugs im Bergsport
Schon in 1863 berichtete Sir Leslie Stephens, begnadeter britischer Bergsteiger über die Vorzügen der verschiedenen Aufstiegshilfen im Alpine Journal. Der Wanderstock geniesst schon damals sehr grosse Beliebtheit und wird auch für Wanderungen wie die Gemmi oder Rigi empfohlen. Der Pickel wird von Stephens eher als "Gerät für den Bergführer" bezeichnet. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts etabliert sich der Pickel trotz der Empfehlungen vieler, die den "Alpenstock" immer noch als die beste Aufstiegshilfe anschauen. Schon bald wird aus einem Hilfsmittel ein Statussymbol und es wird berichtet, dass schon um 1909 Diskussionen stattfanden unter Bergsteiger, über den Sinn oder Unsinn vom Pickel auf normalen Wanderungen. Immer mehr nahmen den Pickel einfach mit egal wohin.
Schon damals war der Pickel ein Symbol dafür, dass man "Bergsteiger" ist und war auf Bahnhöfen immer ein Eyecatcher.
Vielleicht die ersten Influencer...?
Der erste eigentliche Pickel der Schweiz wurde vom Schweizer Bergführer Franz Joseph Lochmatter in 1860 von Chamonix ins Mattertal gebracht. Aber bald wurden auch in der Schweiz Pickel hergestellt, da damals die Blütezeit des Alpinismus stattgefunden hat. Auch in der Region von Grindelwald, wo die Erkundung der Eiger Nordwand dazu geführt hatte, dass der begnadete Huf- und Wagenschmied Karl Bhend als Nebeneinkommen ausserhalb der Saison anfing, Pickel herzustellen. Der weltberühmte Bhend-Pickel, der damals das Nonplusultra in Sachen Pickel war, wird heute immer noch hergestellt dies in vierter Generation von Ruedi Bhend in aufwendiger Handarbeit.


Mit dem richtigen Schaft, schaffst du alles...
Je nach Einsatzbereich unterscheiden sich die Pickel in Länge und Form sowohl die der Haue, wie die des Schaftes. Pauschal kann man sagen je schwieriger, steil und technisch anspruchsvoll das Gelände ist, desto kürzer wird der Pickel und der Schaft stärker gebogen. Unterschieden wird zwischen zwei Schafttypen der B-Schaft( Basisschaft Typ 1: Bruchlast 2.5kN) und der T-Schaft (Technischer Schaft Typ 2: Bruchlast 4kN). Pickel mit einem B-Schaft werden auf Skihochtouren als Steighilfe im sehr steilen Firn, für Spaltenrettung (T-Anker-> die Namensgebung hat nichts mit dem T-Schaft zu tun, sondern mit der Form die sich aus der Verankerung ergibt), sowie zum Stufenschlagen verwendet. Sie weisen, wie oben erwähnt, eine weniger hohe Bruchlast des Schaftes auf, sowie keine spezielle Festigkeitsprüfung der Haue. Pickel mit einem T-Schaft sind Technische Eispickel. Sie haben sowohl ein geprüfter Schaft wie auch eine geprüfte Haue, aufgrund der höheren Belastung und wegen der höheren Wucht beim Setzen im harten Eis.
Sowohl die T-, wie auch die B-Schäfte werden meistens aus Aluminium gefertigt in speziellen fällen auch aus Titan oder Carbon. Die Carbon Pickel wie zB. der Grivel Flame eignen sich für Speedmountaineering und schnelle Begehungen. Andere wie der Blackdiamond Viper oder Grivel North Machine Carbon haben sogar einen T-Schaft. Grivel setzt dennoch beim Monte Bianco und dem 200 CE immer noch auf Holz (Carbonverleimt) um den Schaft zu fertigen. Den längeren Monte Bianco (65/75cm) oder der edle Bhend Pickel aus Grindelwald sieht man heute immer wieder Mal bei Bergführer im Einsatz. Letzterer, darf aber nicht als Ankerpickel sondern nur als Stützpickel verwendet werden und ist vor allem zum Stufen schlagen besonders geeignet.
Eiskletter- oder Drytoolinggeräte wie die Petzl Nomic oder noch extremer die Petzl Ergo oder Grivel The Tech Machine, haben nur noch wenig gemeinsam mit dem Pickel, den man aus Grossvaters Zeiten kannte. Dafür sind sie massgeschneidert für ihren exklusiven Einsatz im steilen Eis oder Drytoolen.
B- oder T-Schaft?
Diese Frage stellen sich die meisten die wissen, dass es verschiedene Schafttypen gibt, wenn es um einen neuen Pickel geht. Ganz Pauschal kann man sagen, dass Pickel mit einem B-Schaft klassische Führerpickel sind, während die anderen mit T-Schaft technische Eis- oder Mixedgeräte sind. Bei ihnen wird sowohl der Schaft wie auch die Haue geprüft. Grundsätzlich ist der Einsatz eines T-Schaftes für die meisten Aktivitäten nicht zwingend erforderlich. Pickel mit einem B-Schaft lassen sich auch für T-Anker bei der Spaltenrettung verwendet werden (statische Belastung). Beim Sichern, wirken im Falle eines Sturzes jedoch viel grössere Kräfte auf dem Schaft, und die 2.5kN oder 250Kg Bruchlast sind schnell erreicht. Mit den 4kN oder 400Kg Bruchlast eines T-Schaftes sind noch ein wenig Sicherheitsreserven vorhanden. Wichtig zu wissen ist dabei, dass die Schneequalität entscheidend ist für das sichere Erstellen eines T-Ankers. Auch der robusteste Pickel nützt in schlechtem Schnee nichts. Meistens lässt sich für jede Anwendung ein Pickel finden welcher über ein T-Schaft verfügt finden, und wenn das Gewicht eine sekundäre Rolle spielt würde ich persönlich keinesfalls auf einen solchen verzichten.
Tourenpickel

GRIVEL EVO AIR
Der Klassiker (T-Schaft)
Allround

Petzl SumTec
Der Allrounder (T-Schaft)
Eisklettern / Drytooling

Petzl Quark
Die leichte Eisaxt (T-Schaft)
Skitour

Petzl Gully
Der Superleichte (B-Schaft)
Eindringen ins Eis - Unterschiede
Ich hatte die Gelegenheit verschiedenste Pickel, im Rahmen einer Schulung auf dem Glacier de Moiry, zu testen und diese miteinander zu vergleichen. Bewertet habe ich wie gut der Pickel in der Hand liegt, wie ausgewogen der Pickel ist und wie gut sich der Pickel ins Eis schlagen lässt. Sowohl die Form der Haue wie auch das Gewicht des Pickels beeinflusst massgebend das Eindringen im Eis. Je leichter der Pickel ist desto mehr Schlagkraft muss aufgewendet werden, um den Pickel sauber ins Eis zu bringen oder eine Stufe zu schlagen. Mit den Leichtpickel wie Skitourenpickel war es praktisch unmöglich im harten Eis eine Stufe zu schlagen. Nur nach zahlreichen Schlägen liess sich eine kleine Stufe erarbeiten. Mit einem besser ausgewogenen und ein wenig schwererer Pickel ist die Arbeit deutlich weniger anstrengend und effizienter! Die Penetration im Eis war aber natürlich bei Steileisgeräten am besten, da diese speziell für diesen Einsatz konzipiert wurden. Das Stufe Schlagen dafür ist aber je mehr der Schaft gekrümmt ist immer wie schwieriger.
mehr zu einzelnen Pickel die ich getestet habe, findest du im Blog in den jeweiligen Tests...
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