Geschichte - damals schon wie man sie heute kennt...
Schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte, wurden Steigeisen verwendet um unwegsames und vereistes Gelände zu erkunden. Damals bestanden die Ur-Steigeisen aus einfachem Stahl und Lederriemen. In 1818 begann die Schmied-Familie Grivel seine Produktion von Agrargeräten zu Bergsportgeräten wegen der steigenden Nachfrage von einer neuartigen Sorte "Touristen" umzustellen. Es war die Geburtsstunde der Erkundung der Berge mit einem sportlichen Hintergedanke: Bergsport.
Schon 1909 wurden die ersten Steigeisen wie man sie heute praktisch kennt, vom Englischen Ingenieur Oscar Eckenstein in Auftrag gegeben. Der darum gebetene war niemand geringeres als Henry Grivel, der Gründer einer der bekanntesten Marken im Bergsport. Die Zacken waren alle vertikal nach unten gerichtet, was sich erst mit der Weiterentwicklung seines Sohnes mit der Erfindung der 2-Punkt Frontzacken änderte. Mit den neuen Eisen war Einsatz im praktisch vertikalen Gelände möglich. Die Haltbarkeit und vor allem das Gewicht der Eisen wurden durch den jüngeren Bruder von Laurent, Amato Grivel in 1936, dank einer neuartigen Nickel-Chrom-Molybdän-Legierung enorm verbessert. Die Legierung ist bist heute noch mit wenigen Änderungen im Einsatz. Andere Materialien sind zum Beispiel Aluminium oder Titan. Titan hat die Eigenschaft leichter als Stahl zu Sein jedoch resistenter als Aluminium. Diese sind jedoch teuer und kaum erhältlich.

Erste Steigeisen von Henry Grivel, 1909

Die Eisen von Sohn Laurent Grivel, 1929

Die Super Leggero von Amato Grivel, 1936
Welches Material für welchen Einsatz?
Heutige Steigeisen gibt es in verschiedene Typen und Formen. Grundsätzlich gibt es starre und flexible Eisen. Bei einem starren Eisen hat man den besten halt und der Schuh wird optimal unterstützt im harten Eis oder Firn. Besonders leichte aus weicherem Aluminium mit meist flexiblem Steg, wie die zB. Petzl Leopard, Black Diamond Neve Pro, oder Grivel Air-Tech Lite, eignen sich nur für Skitouren auf Schnee und Firn, aber haben dafür ein sehr kleines Packmass. Das Laufen mit weichen Schuhen ist auch mit einem weichen Steg angenehmer jedoch wird so der Halt der dem Fuss geboten würde ein wenig reduziert. Klar könnte man auch bedingt über Fels und Stein laufen mit solchen Eisen, doch man wird die weichere Ferse recht schnell ersetzen müssen. Selbst in hartem Eis kann es vorkommen dass sich die Zacken unter der Belastung verbiegen. Man muss sich im klaren sein was man kauft, sodass keine Enttäuschungen gibt. Ein kleine Ausnahme sind da vielleicht die Petzl Irvis Hybrid mit einem Stahl Frontteil und einer Aluferse.
Welche Bindung?
Allround Steigeisen mit Körbchenbindung, die praktisch an jedem genug steifem Bergschuh passen, sind für Gelegenheitsbergsteiger sicher die beste Wahl. Mit ihnen lassen sich ein Grossteil der Bergsportarten bei denen auch Steigeisen nötig sind abdecken. Sie sind aber auch bei nassen und glatten steilen Grashängen um die Absturzgefahr zu minimieren zu empfehlen. Als Alternative für weniger anspruchsvolles Gelände können auch Grödel verwendet werden.
Dann kommen wir zu den Steigeisen mit Kipphebelbindung hinten und Körbchen vorne. Diese eignen sich besonders für Bedingt Steigeisenfeste Schuhe wie zum Beispiel der Scarpa Summit Lite, der vorne keine Aufnahme für einen Bügel hat. Der Schuh wird dank des Hebels in das Eisen gespannt, und bietet so einen deutlich verbesserten Halt gegenüber solchen mit Körbchen vorne und hinten. Manche Systeme bieten die Möglichkeit der Hebel in der Höhe zu verstellen, um es optimal am Schuh anzupassen. Der gelöcherte Steg ermöglicht es die Eisen an die jeweilige Schuhgrösse anzugleichen, hier ist anzumerken, besser ein wenig zu eng als zu locker!
Für das Klettern im Steileis werden meistens Steigeisen empfohlen, welche sowohl vorne wie hinten einen Bügel besitzen wie zum Beispiel die Petzl Lynx, Black Diamond Cyborg oder die Grivel G14.
Ich hatte auch die Gelegenheit ein Paar Black Diamond Cyborg sowie Grivel G12 beim Eisklettern zu Testen, bevor ich mich endgültig für die Petzl Lynx sowie Dartwin entschieden habe. Der Nachteil von Steigeisen mit vorderem Bügel, ist dass bei älteren Schuhen dieser vom vorderen Sohlenrand abrutschen kann. Dies ist mir mit neuen Petzl Dartwin während dem Eisklettern mit neuen Schuhen schon passiert. Auch bei den Blackdiamond Cyborg trotz der Sicherungslasche aus Blech, konnte ich auf Touren bei einem Tourenpartner beobachten, wie das neue Eisen auf die brandneuen Steigeisenfeste Schuhe nicht hielt. Für mich ist somit die beste Lösung ein Steigeisen mit Kipphebel hinten und Körbchen vorne. Black Diamond bietet diesen Vorteil ebenso wenig wie Grivel, doch bei Grivel wurde dafür der langlebigere Stahl verwendet.
Die meisten Steigeisen sind sowohl mit Körbchen wie auch mit Hebel und Bügel erhältlich, bei Petzl lassen sie sich sogar ohne Werkzeug umbauen! Mit einem Fersenteil kann man so diverse Modelle zusammenstellen und braucht nur noch die Frontteile, was deutlich günstiger ist als für jede Aktivität ein ganzes Eisen zu kaufen. Für mich einen der grössten Vorteile, wenn man Steigeisen aus dem Hause Petzl verwendet.
Riemen sollten vor dem ersten Gebrauch an den Bergschuh angepasst werden. Dies schützt vor unabsichtlichem stolpern sollte man auf den Riemen stehen. Sie lassen sich aber auch ersetzten sollte nach Jahren im Einsatz ein Riemen reissen.
Allround Toureneisen

Bsp.
CLIMBING TECHNOLOGY NUPTSE
Bergsteigen

Bsp.
Petzl Sanken
Eisklettern / Drytooling

Bsp.
PETZL LYNX
PETZL DARTWIN
Skitoureneisen

Bsp.
Petzl Iris Hybrid
10 oder 12 Zacken? Vertikal oder Horizontal?
Je nach Anordnung der Zacken lassen sich manche Eisen besser für gewisse Touren Einsetzen als für andere, doch was sind die Unterschiede? Es gibt drei Zackentypen:
- Vertikale Zacken: diese haben alle Steigeisen, sie befinden sich unter dem Fuss und zeigen, wie es der Name schon sagt vertikal nach unten
- Horizontale Frontzacken: Sind bei klassischen Hochtoureneisen zu finden und bieten hervorragenden Halt in Firn und Schnee ab einer Steigung von 35°und sind eher breit.
- Senkrechte Frontzacken: Sind vorwiegend bei Steileis- oder Mixedsteigeisen zu finden. Manche Modelle besitzen zwei Frontzacken andere sind Monozacken und ermöglichen ein noch präziseres Setzen. Wenige Modelle lassen sich sogar vom Zweizacken zum Monozacken Umauen. Sie laufen nach vorne spitz zu.
Pflege - Save your Crampon!
Dein Eisen braucht auch ein wenig Pflege: Wasche es nach Gebrauch vor dem wegräumen in den Keller mit fliessendem Wasser und lasse sie anschliessend trocknen. Es verhindert dass diese Rosten! Überprüfe die Nieten oder Kunststoffteile regelmässig auf Risse oder Brüche und ersetze diese falls notwendig, und vor allem sofern es bei deinem Eisen möglich ist.
Überlege also schon beim Kauf welche Eisen sich besonders gut warten lassen und bei welchen Ersatzteile problemlos erhältlich sind!
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