Bishorn 4153m via Tracuithütte 30.06. - 01.07.2018


Tourenbericht

Tag 1:  Zinal 1675m  - Cabane de Tracuit  3256m

 

Um 5.00h an einem heissen Juni Morgen reisst mich der Wecker aus dem Schlaf und nun ist es soweit. Das Abenteuer Bishorn steht vor der Tür und ich kann es kaum erwarten aufzubrechen. Schon die letzten Wochen war ich jede freie Minute nur noch damit beschäftigt die Ausrüstung bereitzustellen, , die Checkliste zum zwanzigsten Mal durchzugehen ob nicht doch noch etwas essentielles fehlen würde, den Wetterbericht zu kontrollieren und die aktuellen Tourenberichten welche ich finden konnte durchzulesen. Ich habe mir den Luxus gegönnt meine Spiegelreflex Kamera mitzunehmen zum Leidwesen der angenehmen Zustiegsschuhe welche zuhause geblieben waren was ich nach Abschluss der Tour bereuen sollte. Um 8.00 fuhr meinen Zug los Richtung Hauptstadt und schon beim einfahren in Bern konnte man die ganze Alpenkette erkennen welche sich in ganzer Pracht präsentierte. In Bern Traf ich auf meine Tourenpartnerinnen welche ich aus einem früheren Eiskletterkurs kannte. Zwei weitere uns allen unbekannten Gäste würden am AbendTag bei der Tracuithütte unser erstes Tagesziel dazu stossen.

Die Zugfahrt war dank der Vorfreude und der Gespräche kurzweilig und schon bald sassen wir im Postauto welches uns auf einer eindrücklichen Strasse durch das wunderschöne Val D'Anniviers zum Ziel unserer motorisierten Reise nach Zinal brachte. Dort kamen wir um 10.40h an unter Stahlblauem Himmel an und die brennende Sonne liess einen anstrengenden warmen Anstieg zur Tracuithütte vermuten. Ich hoffte genug Wasser dabei zu haben, da ich den Wasserfilter nicht mitgenommen hatte und nach der ersten Schicht Sonnencreme zogen wir los durch das Feriendorf von Zinal.

Das erste Schild der uns den Weg zur Tracuithütte anwies fanden wir nur einige hundert Meter nach unserem Start der uns zu einem kleinen steilen Waldpfad mit wie im Wallis typische Lärchen und üppigen Blumenwiesen. Vorbei an einer ersten Alphütte und den dazugehörigen Eringerkühe war der Weg ein angenehmer Wanderweg der Stetig etwas anstieg. Er führte relativ weit zurück über Zinal ins Val 'Danniviers bis zur Wegkreuzung zum Berghotel Weisshorn (auch ein sehr  lohnenswertes Ziel) wo wir dann endlich zurück in Richtung eines Imposanten Wasserfalles drehten. Nach einer langen Traverse kamen wir zu einem kurzen steilen Aufstieg wo wir uns kurz im Torrent du Barme erfrischen konnten. Wir waren auf der Hochebene  auf 2500m angekommen wo man eine Eindrückliche Sicht auf die Weisshorn Westflanke und der Tête de Milon hatte. Nach etwa zwei Stunden war Zeit eine Pause zu machen während der wir die Tracuithütte in der Ferne als kleiner kaum vom Felsen zu unterscheidendem Würfel auf dem Bergkamm erkennen konnte. Nach dem wir etwas gegessen und getrunken hatten zogen wir bald weiter, da unser eigentliches Tagesziel noch lange nicht erreicht war. Schon bald waren die ersten Schneefelder in den Wiesen zu sehen und die Vegetation nahm immer mehr ab bis wir uns schliesslich in einer eher kargen Felslandschaft befanden. Da zu diesem Zeitpunkt unsere Kräfte mindestens so abgenommen hatten wie die umgebende Vegetation waren auch einige Pausen nötig um den mittlerweile sehr steilen weg zu erklimmen. Der Col du Tracuit und die Tracuithütte waren zwar immer in Sicht doch sie schienen lange nicht näher zu kommen trotz unserer durchgehenden Aufstiegsgeschwindigkeit von etwa 300 Hm/Stunde.

Auf 3000 Meter angekommen lag nur noch die letzte Steigung vor uns welche uns aber an unsere Grenzen brachten, wir waren auch schon mittlerweile fünf Stunden auf dem Weg. Die letzten Meter des Aufstiegs finden über grösseren Steine und Felsen statt und verlangen eher eine gute Trittsicherheit es droht aber nicht akute Absturzgefahr. Die "Schlüsselstelle" am Col du Tracuit ist mit Ketten gesichert,  sowie ein grosser Teil des Weges auf dem Kamm bis zur Hütte mit Seilen. Endlich sind wir da und es ist Wunderschön die Schuhe auszuziehen. Glücklicherweise hatten wir keine Blasen bekommen und eigentlich hatte ich das bisher noch nie in meinen La Sportiva Nepal Extreme.

Die Hütte an sich war schön und in praktisch neuwertigem Zustand doch die Bewirtung etwas speziell und etwas unfreundlich. Uns sind andere Hüttenübernachtungen deutlich besser in Erinnerung geblieben. Die Hütte war zum bersten voll (122 Besucher) welche praktisch alle am Sonntag auf das Bishorn wollten. Wenige gingen auch auf das benachbarte Weisshorn doch diese standen bereits um zwei Uhr morgens auf. Der  Führer war selbstständig und wartete bereits an der Hütte auf uns. Nach einer kurzen Vorstellung und dem Einzug ins Zimmer (80Chf im Massenlager) war schon Zeit um etwas zu Essen. Das Essen war eher, wie soll ich sagen, gewöhnungsbedürftig, und die Getränke extrem teuer (12chf für einen Krug Tee). Für das Essen gibt es also deutlichen Abzug. Doch insgesamt geniesst die Hütte einen sehr guten Ruf und ich schiebe es auf die enorme Anzahl Gäste, dass es an diesem Tag definitiv nicht so war. Nach dem Nachtessen hatten wir nur noch eines im Sinn - schlafen. So legten wir uns erschöpft aber zufrieden um etwa 21.00 hin, da das Morgenessen bereits um fünf Uhr anstand. 

 

Tag 2:  Cabane de Tracuit 3256m  - Bishorn 4151m

 

Nach einer schlaflosen Nacht war das Aufstehen in der Hütte etwas chaotisch. Man muss sich es so vorstellen: da praktisch alle auf das Bishorn aufstiegen, war um fünf Uhr die Hölle los und mindestens hundert Bergsteiger bereiteten sich und ihre Ausrüstung vor um den Gipfel zu erreichen. Wir hatten bereits am Vorabend dank dem Ratschlag des Bergführers ein Materialdepot ausserhalb der Hütte errichtet um dem Chaos zu entfliehen und uns auf unsere Ausrüstung zu konzentrieren. Nachdem wir gefrühstückt hatten montierten wir die Steigeisen und bereiteten den Rest der Ausrüstung vor. Angeseilt liefen wir um etwa sechs Uhr los über den Turtmanngletscher. Die Bedingungen sind perfekt, der Schnee Griffig und Hart sodass es weniger anstrengend sein müsste. Da wir im Schatten aufstiegen waren die Temperaturen eher tief und man musste sich entscheiden etwas kalt zu haben oder etwas zu schwitzen und die Hardshelljacke anzuziehen. Ich entscheide mich für die kältere Variante, da ich sehr schnell ins Schwitzen komme und vor allem nichts mehr dabei hätte auf dem Gipfel angekommen um trocken zu sein und nicht auszukühlen. Um etwa Acht erreicht uns endlich die Sonne welche uns ein wenig Energie spendet für den Aufstieg. Nach einer Kurzen Trink- und Esspause Ziehen wir weiter in eher gemütlichem und  regelmässigem Tempo.

Auf 3500m angekommen mascht sich die Höhe bei den ersten der Gruppe bemerkbar und wir werden vom Bergführer wenn auch ein wenig auf eine eher direkte Art motiviert, das brauchten wir aber auch. Der Abstand der Pausen verkürzt sich immer mehr und ab ca. 3700m konnte auch ich nur noch bedingt die Atemraubende Umgebung und die Aussicht geniessen, da ich mich auf den aufstieg konzentrierte. Mir war etwas übel und dadurch das ich weder viel am Abend gegessen hatte noch in der Nacht zu Schlaf gekommen war, fühlte ich mich wie ausgelaugt und energielos. Im gegenteil zur Tracuithütte am Vortag kam der Gipfel hingegen immer näher.  Komischerweise war auf 4000m angekommen nichts mehr von der Höhe zu fühlen, sehr wahrscheinlich dank der Vorfreude auf den bevorstehenden Gipfel. Kurz vor dem Gipfel erreichen wir den Grat und rüsten uns mit dem Pickel aus um die letzte Firnstufe zu bezwingen, welche einfach zu meistern war. Auf dem Gipfel angekommen um etwa 10.30h waren bereits andere Gruppen da, doch wir hatten genügend Platz für ein Gruppenfoto und für den Genuss des Panoramas. Das Weisshorn und besonders der Grat war besonders eindrucksvoll und in der ferne konnten wir Breithorn (zum Tourenbericht) und Nadelhorn, Alphubel und Allalinhorn den Aletschgletscher, Balmhorn (zum Tourenbericht) und Altels, Sparrhorn mit seinem Gipfelweg und in die Andere Richtung das Matterhorn Obergabelhorn, Zinalrothorn, die Dufourspitze bis zum Mont Blanc um nur einige zu nennen.

Nach etwa einer Viertel Stunde Pause machten wir uns auf den weg zurück zur Tracuithütte. Der Abstieg war gefühlt länger als der Aufstieg und wir waren froh kurz nach zwölf die Hütte zu erreichen, um uns für den Abstieg kurz auszuruhen. Da wir nur einen Liter Tee gratis pro Person zur Verfügung hatten für den ganzen Tag spendierte eine meiner Begleiterinnen  Getränke für den langen Abstieg nach Zinal. Auf dem Weg ins Tal begannen auf 2500m mir die Fusssohle zu brennen und das laufen wurde ein wenig unangenehm doch alles noch im Rahmen des erträglichen meine zwei Begleiterinnen hatten die schweren Bergschuhe wieder mit den Zustiegsschuhe ausgetauscht um die letze Stunde in Angriff zu nehmen. In Zinal angekommen blieb genug Zeit um endlich etwas zu trinken einzukaufen und ich nutzte die Gelegenheit Flipflops zu kaufen um aus den Schuhen zu kommen. 

 

Fazit: ☆☆☆/☆☆☆☆☆

Sehr lohnenswerte, aussichtsreiche und konditionell anspruchsvollere Tour die aber technisch gut zu meistern ist wenn man Bergerfahrung hat und gute Kondition besitzt. Leider ist die Hütte etwas teuer für das was uns dort geboten wurde, und das Essen: kein Kommentar. Darum "nur" 3 von 5 Sternen. Das Bishorn selber und die Tour hat eigentlich 5 von 5 Sternen verdient.


Art der Tour: Geführte Zweitagestour mit Hüttenübernachtung.

Daten: 1.Tag: 7.7 km, 1566m Aufstieg, 6m Abstieg / 2.Tag:  4.6 km, 900m Aufstieg, 2465m Abstieg

Merkmale:

Kondition: mittel

Technisch: L (SAC-Hochtourenskala)

geeignet für: alle mit guter Kondition und den nötigen alpinen Kenntnissen, geeignet als längere Einsteigertour in Begleitung eines Bergführers

Hunde: eher nicht Hundetauglich bzw. nur bis auf ca 3000m ohne Weiteres machbar. Die Hochebene lädt zum Biwakieren ein.