Aufstieg mit Gepäck inkl. Pausen 3.5h, Abstieg, 3.5h
Zuerst war ich unschlüssig zu dieser Tour aufzubrechen, nach dem Abbruch der letzten Tour aufgrund der defekten Thermomatte.
Erst recht bei den angekündigten Temperaturen von bis zu -16°C.
Doch schlussendlich startete ich um 12 Uhr bei der Talstation Beatenbucht bei bedektem Himmel. Eigentlich hatten diverse Wetterberichte schönes Wetter gemeldet und ich hoffte sehr dass es auf dem Niederhorn etwas weniger neblig sein würde. Erst nach der Mittelstation der Gruppenumlaufbahn Vorsass öffnete sich allmälich der Himmel um dann auf dem Gipfel knapp über dem Nebel zu stehen. Doch die Sonne strahlte und die Motivation war noch grösser bei diesem Wetter. Zur Hilfe für die Ausrüstung hatte ich eine Selbstgebaute Pulka aus einem Kinderschlitten dabei, der so leicht ist dass man im Notfall ihn samt Rucksack tragen kann. Als Gestänge habe ich handelsübliche verstellbare Besenstiele aus Aluminium gewählt. Doch zu diesem Schlitten werde ich einen eigenen Bericht erstellen, da es sehr gut geklappt hat auf dem Winterwanderweg beim Abstieg.
Geplant hatte ich zur Burgfeldstand und anschliessend weiter zum Gemmenalphorn aufzusteigen. Nach einer kurzen Stärkung in Form einer Sigriswiler-Bratwurst mit Brot und der Mitteilung meiner Pläne im einladenden Berghaus zog ich also los mit der DIY Pulka im Schlepptau. Der Schlitten ist erstaunlich stabil in der Spur, das liegt wohl daran dass der Schwerpunkt besonders tief liegt und die "Kufen", eher zwei grosse Ausbuchtungen ihren Zweck sehr gut erfüllen. Doch ich musste kurz vor dem erreichen der Burgfeldstand feststellen dass ich mit dem Schlitten in 60-80cm Pulverschnee nicht weiterkommen konnte, da er wegen der starken Querneigung trotz des tiefen Schwerpunkt ständig zur Seite kippte. Kein Problem. Da ich alleine unterwegs war, konnte ich wie ich wollte improvisieren und eine Tour etwas unterhalb der Burgfeldstand unternehmen. In der Nähe der Alp Oberburgfeld habe ich eine kurze Pause eingelegt. Der Nebel liess leider nicht lange auf sich warten und stieg wieder etwas höher an, sodass ich beschloss weiterzuziehen um das Auskühlen zu minimieren.Mittlerweile war es schon halb Vier und ich begann einen geeigneten Schlafplatz für die Nacht zu suchen bevor es dunkel wurde. Knapp an der Baumgrenze fand ich ein kleines Plateau, das ich mit den Schneeschuhen bearbeitete um eine gute Unterlage für das Zelt zu bilden. Dank der dicken, stellenweise hüfttiefen Schneeschicht konnte ich nach dem Aufstellen des Zeltes eine grosszügige Grube ausheben um den Platz in der Apsis zu maximieren und eine angenehme Sitzgelegenheit zu haben. Zu diesem Zeitpunkt, dank der Bewegung war mir noch am Körper ausreichend warm. Doch trotz meinen La Sportiva Nepal Extreme und dicken Skisocken, begann sich die Kälte an den Füssen bemerkbar zu machen. Als Jacken hatte ich eine Mammut Stoney 2L, eine mit Primaloft isolierten Skijacke dabei und die Mammut Nordwand Advanced HS als ultimative Barriere gegen die Elemente über die Stoney Jacke, oder alleine für den wärmeren Aufstieg. Am Abend als es kalt wurde hatte ich im Gesamten fünf Lagen am Oberkörper: eine Lage Thermounterwäsche, ein Isolationsshirt, ein Faserpelz, ein Softshellgilet und zum Schluss die Mammut Stoney. Da es mit den Füssen in den kalten Schuhen nicht besser wurde, war der Zeitpunkt gekommen um einen Warmen Tee zu Trinken und ich startete den Kocher um Schnee zu schmelzen. Das Wintergas von Primus welches ich mitgenommen hatte funktioniert bis -22°C problemlos und ich hatte eine volle Reserveflasche dabei. So hatte ich ganz sicher genug dabei um genug warme Getränke zu mir nehmen zu können. An Schnee fehlte es ja nicht. Für die Nacht, um das Kochen zu beschleunigen hatte ich eine volle 1.2l Thermosflasche mitgenommen um Wasser dabei zu haben und nicht Schnee schmelzen zu müssen.
Als ich mein Smartphone Laden wollte bemerkte ich, dass das Ladekabel so gefrohren war, dass es gebrochen war. Sowas hatte ich nicht einberechnet und ab jetzt war also Akku sparen angesagt. Gerade das ist bei Minus Temperaturen nicht unbedingt sehr einfach, da die Akkus unter der Kälte leiden. Nach dem Tee beschloss ich das Nachtessen vorzubereiten. Wir hatten für die letzte Tour gefriergetroknete Trekkingnahrung gekauft eines bekannten Herstellers, doch es war bei der letzten Tour weit entfernt von meinen Erwartungen. Ich bin eigentlich nicht penibel, aber es war auch dieses Mal so, dass ich mich zwingen musste das zu essen. Ein Mal und nie wieder! Langsam aber sicher waren die Füsse so Kalt geworden, dass ich kaum noch die Zehen fühlte und ich im grossen Zeh ein heftiges stechen im Nagel verspürte. Also habe ich meine Schuhe gegen die Zeltschuhe ausgetauscht. Von meiner Trockentauchausrüstung hatte ich meine Füsslinge des Unteranzugs mitgenommen und habe die über trockene Skisocken angezogen, die Zeltschuhe dann darüber. Innert einer Stunde und etwa einem Liter Tee hatten sich meine Füsse beim Sitzen auf meiner Thermomatte langsam aufgewärmt. Zur Feier des Anlasses habe ich mein Dessert, ein Paar Schokoriegel in der Jacke aufgetaut, dann zog ich mich in den Schlafsack bzw. die Schlafsäcke zurück. Das System bestand dieses Mal aus dem Inliner Sea to Summit Thermolite Reactor Extreme, dem TNF Green Kazoo und als äusserste Schicht zum ersten Mal im Test den Carinthia XP Top. Ich erhoffte mir dadurch die Komforttemperatur der bisherigen Kombination von Schlafsack und Inliner von ca -20°C auf ca. -30°C zu erweitern. Ich bin sehr positiv überrascht worden vom Schlafsack an sich, der sehr robust zu sein scheint und auch ein gute Verarbeitung aufweist. Das Packmass ist gering und das Gewicht ist im Vergleich zum Nutzen gering. Es war kuschelig warm und ich konnte so relativ gut schlafen. Was warm und trocken bleiben musste nahm ich mit zwischen die Schlafsäcke. Trotz der hervorragend isolierenden Thermarest Neo Air All Season Matte und der doch sehr dünnen Isomatte konnte ich mit der Zeit die Kälte fühlen, die vom Boden durch die Matte hindurch kam. Mit einem Daunengilet und der Skihose als zusätzliche Unterlage war es dann perfekt und hatte dazu noch den positiven Effekt dass die Hose am morgen schön warm war. Zusammengefasst war der Test der Schlafsäcke ein voller Erfolg und ich habe gemerkt, dass ich noch einiges an Wärmereserven für kältere Temperaturen habe. Das regelmässige Teekochen im Vorzelt (nur bei ausreichender Belüftung!) trug auch dazu bei, dass es im Zelt deutlich angenehmer war als draussen. Das Innenzelt war während der Nacht trotz grosszügiger Belüftung komplett von Frost überzogen,der sich wegen der warmen Atemluft und dem Dampf des Teewassers gebildet hatte.
Am nächsten Morgen um ca. 7 Uhr begannich dann nach insgesamt 6 Stunden Schlaf in
zweistündigen Schichten die Ausrüstung zusammenzupacken. Das Wetter war unglaublich; zuerst Nebel der sich dann aber schnell verzogen hat und eine atemberaubende Aussicht auf Eiger Möch und Jungfrau bot sich mir.
Während dem Zusammenpacken ging die Sonne über Eiger, Mönch und Jundfrau auf. Ich unterbrach kurz meine Arbeit um diesen Augenbkick festzuhalten und genoss einfach den Moment. Die kalten Füsse am
Abend hatten sich wie man es an den Bilder sehen kann auf jeden Fall gelohnt. Etwas Später als der Schlitten wieder beladen war, lief ich los. Mein Ziel war es zum Berghaus zu gehen und etwas
feines zu essen, da das Trekking-Abendessen weit von zufriedenstellend entfernt war. Losgezogen, zurück bergauf Richtung Berghaus, war die Sonne schon so warm dass meine Hardshelljacke völlig
ausreichend war. Ich bemerkte dass ich wenig gegessen hatte am Abend zuvor, da ich mich etwas schlapp fühlte als ich im Tiefschnee bei ca. 40° Neigung den Schlitten heraufgezogen habe. Doch es
war weitaus weniger anstrengend als die Ausrüstung zu tragen.
Kurz vor dem Berghaus und nach einigen Aufnahmen der Aussicht bemerkte ich dass die Bahn nicht fuhr. Im Berghaus wurde ich sehr freundlich empfangen, da sie mich schon am Tag zuvor gesehen hatten und nach meiner Destination gefragt hatten. Das Sonntagsbuffet ist sehr empfehlenswert und lässt keine Wünsche offen! Ich war sehr froh nach etwa drei Liter tee von zwei verschiedenen Teesorten während der Nacht, eine warme Ovomaltine trinken zu können.
Nach einem kurzen Gespräch mit dem Wirt über den Weg nach unten, da ich eigentlich eine Talfahrt gebucht hatte, beschloss ich zu Fuss nach Beatenberg abzusteigen und dem Winterwanderweg zu folgen. Ich hatte Zeit, war wieder zu Kräften gekommen und das Wetter war einfach Traumhaft. Der Abstieg war sehr angenehm doch lang. Ich startete um 11 beim Berghaus und kam um 13.30 in Beatenberg an. Die letze halbe Stunde musste ich die Ausrüstung tragen, da die Strasse nicht mehr genug Schnee hatte um den Schlitten ziehen zu können und ich war froh bei der Station in Beatenberg anzukommen. Die Tour hat sich in allen Hinsichten gelohnt. Ich werde den Schlitten verbessern und die Tour sicher noch Mal machen.